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| Prof. Dr. Mojib Latif möchte die
Zukunft unseres Planeten mit Klimamodellen verdeutlichen.
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Arved Fuchs (li.) hatte viele interessante
Details aus dem Polargebiet mitgebracht. Dazu befragt ihn Frank Böttcher,
der Veranstalter des Kongresses.
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| An die 450 Experten, Interessierte und Praktiker trafen sich im Geomatikum in Hamburg. | Viele interessante Daten wurden geliefert,
wie hier von Dr. Daniela Jacob vom Max-Planck-Inst. aus Hamburg die zukünftigen
Niederschläge im Elbeeinzugsgebiet.
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| Dann kam Jörg Kachelmann und konnte
den Saal zum Lachen bringen.
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Zum Schluss noch eine spannende Podiumsdiskussion
mit (v. links n. rechts) Dr. Gerhard Steinhorst (DWD), Dr. Gunther Tiersch
(ZDF-Wetter), Moderator: Peter Mücke (NDR Info), Marco Kaschuba (Meteorologie-
/ Unwetterfachjournalist) und Jörg Kachelmann (Meteomedia AG)
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So begrüßte Frank Böttcher auch
als Erster die etwa 450 Kongressteilnehmer, dann folgt eine Ansprache von
Professor Dr. Claussen, dem Direktor des Max-Planck-Instituts und damit
auch dem Gastgeber. Auch die Stadt Hamburg durfte natürlich bei der
Begrüßungsrunde nicht fehlen: Dr. Michael Freytag, Senator für
Stadtentwicklung und Umwelt der Freien und Hansestadt Hamburg, schilderte
in seiner Begrüßungsrede die schlimmen Zustände bei der
Sturmflut 1962, aber auch die hervorragende Arbeit der Stadt danach. So
seien die Deiche mittlerweile teilweise über neun Meter hoch. Deutlich
höhere Sturmfluten hätten die Deiche nach ’62 aushalten müssen,
doch die höheren Deiche hielten Stand. Halb elf war es mittlerweile
als Prof. Dr. Mojib Latif zu Wort kam und die Zuhörer mit interessanten
Daten versorgte. Daran waren natürlich auch die Medien sehr interessiert.
In seinem Vortrag ging es um die Klimavorhersag-barkeit, den globalen
Klimawandel, die Projek-tionen auf die Zukunft und auf den Klimawandel.
Wettervorhersagen können selbst mit den besten Großrechnern,
die es heute noch gar nicht gebe, nicht weiter als zwei Wochen im Voraus
gemacht werden, da dann das Chaosprinzip die Vorhersagen durch-einander
würfele. Doch Klimavorhersagen seien anders aufgebaut. Hier werde
mit Umwelt-einflüssen und Klimareihen gerechnet. Der Kieler Klimaforscher
sieht für die Zukunft unseres blauen Planeten aber keineswegs rosige
Zeiten auf uns zukommen. Bis 2100 müssten wir – je nachdem wie wir
uns verhielten – mit einem globalen Temperaturanstieg zwischen 1,4 und
5,8 Grad Celsius rechnen. Das würde eine Meeresspiegelerhöhung
von bis zu einem Meter bedeuten und damit viele Küsten und Inseln
gefährden. Latif zeigte an Messwerten der Wetterstation Hohenpeissenberg
(bayr. Alpenvorland), dass die Häufung extremer Niederschläge
an dieser Station zunehme. Daran sehe man die Auswirkungen der Klimaerwärmung.
Er verglich das Auftreten extremer Ereignisse mit einem gezinkten Würfel.
Es könne immer noch eine Eins gewürfelt werden, aber die Sechs
trete häufiger auf. Der Winter 2005/6 zeige, dass es auch noch kältere
Winter gebe, aber in Zukunft müssten wir uns allgemein häufiger
auf mildere Winter einstellen. Mit mahnenden Worten beendete Latif seinen
Vortrag, indem er deutlich machte, dass wir es in der Hand hätten,
wir die nächsten Generationen auf unserem Planeten leben müssten.
Das Klima sei träge und reagiere erst viele Jahre später. Wenn
wir gegen den Treibhausgasausstoß arbeiteten, wäre noch einiges
machbar. Aber eins machte der Kieler noch deutlich: Solch ein Szenario
wie im Kinofilm „The Day After Tomorrow“ werde es durch Klimaerwärmung
definitiv nicht geben. Das gebe es nur in Hollywood.
Vor der Mittagspause kam dann noch Tobias Grimm, Experte für Sturm-
und Wetterrisiken der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft,
zu Wort. Er zeigte, dass die Versicherungen durch Extremwetterereignisse
in den letzten Jahren immer mehr belastet würden, wobei hier besonders
die Sturmschäden zu Buche schlugen. Allein 2005 wurden volkswirtschaftliche
Schäden durch extreme Wetterereignisse von 180 Milliarden US-Dollar
verursacht. Es gab so viel über die Schäden zu berichten, dass
Grimm gar kein Ende mehr finden konnte und Frank Böttcher ihn erst
mal zur Mittagspause unterbrechen musste. Nach der Mittagspause bekam er
dann noch etwas Zeit für das Ende seines Vortrages, bevor Arved Fuchs,
Polarforscher und Expeditionsleiter aus Schleswig-Holstein, einen sehr
spannenden Vortrag zum Klimawandel in den Polargebieten hielt. Viele dramatische
Ereignisse hatte der Polarforscher bereits miterlebt, so steckte er beispielsweise
schon mal mit seinem Boot mehrere Monate im Eis fest. Meistens hatten seine
Erlebnisse mit viel Eis zu tun, aber das was er in diesem Jahr dort oben
im Norden erlebt hatte, gibt Anlass zum Nachdenken. Denn zum ersten Mal
überhaupt seien weite Teile der Arktis auch im Winter eisfrei gewesen.
Spitzbergen sei ohne Probleme mit dem Schiff erreichbar gewesen, selbst
das sonst immer völlig vom Eis umschlossene Franz-Josef-Land in der
Karasee sei von Wasser umgeben gewesen. Der Klimawandel sei in den Polargebieten
am heftigsten zu beobachten, sagte Fuchs den Wetterinteressierten. In naher
Zukunft werde die Arktis im Sommer vermutlich komplett eisfrei sein, vermutet
er.
Dann wurde es recht turbulent, denn Thomas Sävert von der Meteomedia
AG hatte das Wort und widmete sich den Hurrikans. Letzte Saison traten
27 Hurrikans auf, womit so viele wie nie zuvor registrierst wurden. Einer
von vielen Faktoren, die zur Entwicklung eines solchen großräumigen
Wirbels führen seien die Wassertemperaturen, die im letzten Jahr im
tropischen Nordatlantik durchschnittlich zwei Kelvin wärmer gewesen
seien. Vielleicht einer der wichtigsten Faktoren für diese Rekordzahl.
Normalerweise gehe man davon aus, dass ein Hurrikan sich nur über
Wasserflächen entwickeln könne, die mindestens eine Temperatur
von 27 Grad Celsius haben. Doch Sävert stellt diese „magische Grenze“
in Frage, da auch schon über dem deutlich kälteren Atlantikwasser
bei den Kanaren ein Hurrikan im letzten Jahr beobachtet werden konnte.
Sogar im Mittelmeer konnte ein hurrikanähnliches Gebilde vor einigen
Jahren ausgemacht werden.
Lars Lowinski, Leiter von Skywarn Bayern, konnte anschließend
am späten Nachmittag die Zuhörer mit einem Bericht über
Tornados begeistern. Jedes Jahr treten sie auch in Deutschland und Mitteleuropa
auf. Zwar könne man aufgrund der Medienberichte darauf kommen, dass
dies erst seit kurzem der Fall sei und sie in der Anzahl zunehmen würden.
Aber Lowinskis Statistik zeigte, dass es schon immer teils richtig schwere
Tornados gab: 1764 ein schwerer F5-Tornado in Mecklenburg-Vorpommern, 1800
in Sachsen ebenfalls ein Tornado der höchsten Kategorie. Die Kategorie
F5 sei sogar schon wieder überfällig, sagte der Leiter von Skywarn
Bayern. Gut erinnern können sich sicherlich noch viele an den Tornado
am 23. Juli 2004 in Micheln. Auch zahlenmäßig sei eine Zunahme
nicht zu bestätigen. Vermutlich würden die Tornados heute nur
besser beobachtet und durch die Medien berühmter gemacht werden. Früher
habe es schließlich noch keine Digitalkameras gegeben, fügte
der Tornadoexperte noch hinzu.
Eine Zunahme von Stürmen an der deutschen Nordseeküste konnte
im anschließenden Vortrag von Gudrun Rosenhagen vom Deutschen Wetterdienst,
tätigt in der Abteilung Seeschifffahrt, auch nicht verkündet
werden. Die Dame vom DWD zeigte in ihrer Präsentation, dass die Anzahl
der Stürme immer schwankte, es aber keine Tendenz zur Zunahme in der
Anzahl gebe. Momentan seien die Stürme in der Deutschen Bucht sogar
auf dem Rückzug. Das einzige was man vielleicht ausmachen könne
sei eine leichte Zunahme in der Intensität der einzelnen Stürme.
Aber auch da möchte sich Frau Rosenhagen nicht allzu weit aus dem
Fenster lehnen. Neben den Stürmen, die die Nordsee bedrohten, widmete
sich die Sturmexpertin des DWDs aber auch den Hochwassern an der Ostseeküste.
Diese seien besonders durch eine Vorfüllung und den berühmten
Schwapp- oder Badewanneneffekt verursacht worden. Auch hier wurden in der
Vergangenheit zahlreiche teils dramatische Fluten beobachtet. Als Einleitung
auf die „44. Jahresnacht“ der Hamburger Sturmflut erklärte Gudrun
Rosenhagen die Wetterlage vom 16. und 17. Februar 1962. Die Feinheiten
wurden dann von Jürgen Vollmer von der Unwetterzentrale in Bad Nauheim
und Manfred Spazierer, dem Geschäftsführer der Unwetterzentrale
in Wien, unmittelbar danach übernommen. Besonders lange widmete sich
Spazierer den Reanalysekarten von damals und erklärte sie mit wienerischem
Dialekt sehr ausführlich. Ein Wiener als Sturmflutexperte.
Zumindest war dies die perfekte Einstimmung zum Making-Of des RTL-Films
„Die Sturmflut“, das den offiziellen Teil des ersten Tages des Extremwetterkongresses
abschloss. Eine halbe Stunde schauten sich die Extremwetterinteressierten
in den schon deutlich gelichteten Reihen hinter die Kulissen des 8 Millionen-Films,
der am Sonntag und Montag nach dem Kongress über die Fernsehbildschirme
lief. Damit ging um kurz vor acht ein sehr interessanter erster Kongresstag
zu Ende, der allen Respekt dem Veranstalter Frank Böttcher verdient.
Höchst interessant und vor allem mit viel Vorfreude ging es dann
am zweiten Extremwetterkongresstag weiter. Denn Arne Dunker vom Klimahaus
Bremerhaven 8° Ost hatte das Wort und ließ uns schon mal einen
Einblick gewähren, was die Kongressteilnehmer im Jahr 2008 in Bremerhaven
erwartet. Ein interaktives Erlebnis der besonderen Art mit nachgestellten
Klimazonen der Erde, die die Besucher des Klimahauses ab 2008 erwarten
kann. Dazu werde man auf eine Reise endlang des 8. Längengrades einmal
rund um den Globus gehen. Außerdem könne man zukünftig
die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft im wahrsten Sinne des Wortes
hautnah erleben. Das ganze Projekt hat aber auch seinen Preis, so geht
man von etwa 71 Millionen in der Planung aus. Eröffnet wird das Haus
voraussichtlich am 1. März 2008.
Dr. Daniela Jacob hat am Max-Planck-Institut die Leitung der regionalen
Klimamodellierung und wollte danach den Interessierten die Arbeit ihres
Teams vorstellen. Für das regionale Klimamodell entwickelten die Mitarbeiter
des Instituts nur „das Fenster Europa“. Die Randbedingungen wurden von
einem globalen gröberen Modell genommen und dann Europas Klimazukunft
mit einer Gitterauflösung von zehn Kilometern ausgerechnet. Pro Gitterpunkt
mussten die Großrechner stündlich 70 Gleichungen lösen.
Die Ergebnisse sind mehr oder weniger überraschend. So würden
zwischen 2070 und 2100 deutschlandweit 5 bis an die 30 heiße Tage
(TMax ³ 30°C) pro Jahr mehr registriert werden als im Vergleichzeitraum
von 1960 bis 1990. Besonders groß solle dem Modell nach die Zunahme
im süddeutschen Raum sein. Errechnet wurde ebenfalls verbreitet eine
höhere Intensität von Starkniederschlägen, die aber nicht
überall in Zukunft auch zahlenmäßig zunehmen würden.
So solle es beispielsweise im Winter im süddeutschen Raum trockener
werden und auch in einigen Regionen Norddeutschlands besonders im Sommer
deutlich niederschlagsärmer sein. Schleswig-Holstein müsste demnach
mit bis zu 15% trockneren Sommern rechnen. Dafür würde es im
nördlichsten Bundesland nach Modellberechnungen im Winter deutlich
nasser werden. Einige Regionen würden zur Mitte dieses Jahrhunderts
deutlich trockener, andere wiederum sehr viel nasser werden. Sonst ist
aber verbreitet ein Trend zu mehr und intensiveren Niederschlägen
zu erkennen. Frau Jacob ließ aber auch noch mal verlauten, dass es
ebenfalls eine Zunahme von Trockenzeiten geben würde. Ein Sommer wie
wir in im Jahr 2003 erlebt haben, wird dann vielleicht keine Ausnahme mehr
sein. Bei den Stürmen kommt die Hamburger Forscherin zu dem gleichen
Ergebnis, wie Frau Rosenhagen vom DWD: „Leichte Tendenz zu intensiveren
Stürmen, nicht wesentlich häufiger.“ Aber es gibt noch viel Arbeitsstoff
für die Zukunft. So müssten extreme Ereignisse genauer erfasst
und mehr Simulationen durchgeführt werden. Außerdem können
die Modelle noch nicht sagen, wie es in den kommenden zehn Jahren aussieht.
Da halten sich die Klimaforscher immer geschickt zurück. Sinnvoll
wäre auch zu schauen, welche Landkreise und Regionen besonders gefährdet
sein werden und ob dies andere sind als in der Vergangenheit. Dann könnte
man diese Gebiete bereits mit nötigen Schutzmaßnahmen ausstatten.
Die Zukunft beim Klima wird auf jeden Fall vieles Spannendes bereit halten
und wir müssen darauf vorbeireitet sein.
Priv.-Doz. Dr. Bernold Feuerstein von der Uni Heidelberg zeigte den
Kongressteilnehmern wie man Anzeichen für einen Tornado auf einem
hochausgelösten Dopplerradarbild ausmachen kann, woran man eine Superzelle
erkennen kann und wie wichtig die Wetterwarnungen seien. Extremwetter sei
immer abhängig von regionalen Gegebenheiten. Entscheidend zur Verbesserung
der Wetterwarnungen von Extremwettern seien Verbände wie Skywarn e.V.,
die noch besser an die Medien gebunden werden müssten, damit die Menschen
frühzeitig gewarnt würden. Welche Auswirkungen ein Tornado auf
Waldgebiete haben kann, machte Dipl.-Forstwirt Martin Hubrig im anschließenden
Vortrag deutlich. Tornados werden nach ihren Schadensausmaßen in
Kategorien eingestuft – sie werden eigentlich nie direkt gemessen. Meistens
werde dies anhand von Schäden an Gebäuden ausgemacht, sagte Hubrig.
Doch Gebäude seien in den USA teils deutlich instabiler als in Mitteleuropa.
Deshalb könne man die Einstufungstabelle aus den USA nicht eins zu
eins auf Tornados in Mitteleuropa übernehmen. Selbst wenn anscheinend
gleiche Bautypen vorzufinden seien, könne eine Fehleinschätzung
des Tornados gemacht werden. Viel sinnvoller seien beispielsweise Einstufungen
nach Schäden an Bäumen und Vegetation durchzuführen, zumal
die Tornados auch häufiger über unbebautes Land toben. Diese
kann man durch verschiedenen Messungen, z.B. der Holzstärke und der
Baumart, festlegen. Laubbäume seien dabei im Allgemeinen stabiler
als Nadelbäume. Außerdem sei das kollektive Stützgefüge
von Waldbeständen nicht so stark wie die individuelle Einzelbaumstabilität,
fügte der Dipl.-Forstwirt hinzu. Damit war es auch schon fast Zeit
für die Mittagspause, aber das Programm ging gleich nahtlos weiter.
Denn Dr. Karlheinz Müller von der Uni Marburg erstaunte die Extremwetterinteressierten
mit einem Bericht von der Insel Mauritus, die im Indischen Ozean liegt.
Alle paar Jahre werde die Insel von solch heftigen Zyklonen getroffen,
dass alle einfachen Häuser komplett zerstört würden. Mittlerweile
hätten die Menschen sich sehr stabile Häuser gebaut, aber die
Zuckerrohrfelder würden weiterhin komplett zerstört werden. Da
der Mensch sich hier vor einigen Jahren angesiedelt hat, verliere die Insel
aber zunehmend ihren eigenen Schutz. Die unberührte Natur überstand
die heftigen Niederschläge und Windgeschwindigkeiten ohne größere
Probleme. Das Korallenriff hielt große Wellen ab und die Vegetation
war so dicht, dass das Land geschützt war. Heute hätten die hohen
Windgeschwindigkeiten und die enormen Niederschläge eine Angriffsfläche:
Die Zuckerrohrfelder. Durch Erosion würden heutzutage riesige Mengen
an Erde in den Ozean gespült und abgetragen. Dabei würden sogar
die vorgelagerten Korallenriffe zerstört werden. Das Eingreifen des
Menschen ist hier deutlich zu sehen. Aber noch viele andere Erkenntnisse
vermittelte der Marburger Doktor: So könne man die gesamte Erde durch
Mittelwertbildungen in bestimmte kleine Regionen einteilen, wo gleiche
klimatische Bedingungen herrschten. Mit Vorwürfen trat er dabei an
Frau Jacob heran: Man müsse nicht ein festgelegtes kleinmaschiges
Gitternetz über die gesamte Erde legen, sondern nur die Werte für
diese kleinen Regionen ausrechnen. Das würde Rechenleistung sparen.
Dann war zur Stärkung erst mal eine Mittagspause angesagt. Schließlich
erwartete alle Teilnehmer noch ein spannender letzter Nachmittag, der den
Wetterwarnungen und Messmethoden unter extremen Bedingungen gewidmet war.
Doch gleichzeitig stand er unter dem Licht des Konkurrenzkampfes zwischen
Kachelmann und dem DWD.
Den Anfang machte Jörg Kachelmann, der Geschäftsführer
der Meteomedia AG, Schweiz. Der berühmte Medienwetterfrosch teilte
die Erfahrungen der Messmethoden von der Meteomedia AG unter extremen Wetterbedingungen
mit. Ziemlich eindeutig gewinnt der Schweizer den Showpreis dieses Kongresses.
Denn immer wieder brachte er durch flotte und freche Sprüche das Publikum
zum Lachen. In seinem Vortrag ging es überwiegend um Eigenwerbung
seines Messnetzes und seiner Firma. Um unter extremen Bedingungen zu messen
habe sich sein Unternehmen einiges einfallen lassen. An abgelegenen Standorten
könne beispielsweise der Niederschlagsmesser nicht beheizt werden,
da hier kein Strom vorhanden sei. Solche Stationen werden lediglich durch
Solarpaneels betrieben. Dennoch könne man mit diesen Stationen Regenmengen
messen, die für ein Hochwasser verantwortlich sein können. Die
Wetterdaten dieser entlegenen Stationen werden mittels eines Handymodems
übertragen. Ein bisschen Handystrahlung gebe es auch noch im entlegensten
Tal, meinte Kachelmann. Damit der Windmesser nicht einfriere, habe man
in den eisgefährdeten Gebieten, beispielsweise auf den Bergen, Ultraschallmessgeräte
im Einsatz. Auch in Zukunft werde Meteomedia von sich hören lassen,
denn für die Hurrikansaison 2006 habe Kachelmann höchstpersönlich
vor in die USA zu reisen und dort dann beim „land fall“ eines Hurrikans
genaue Windmessungen durchzuführen. Bisher seien die US-Stationen
immer ausfallen, als der Hurrikan aufs Land traf. Außerdem plant
Kachelmann in ein paar Jahren mit einem eigenen kleinmaschigen Vorhersagemodell
aufzutrumpfen und dabei das Messnetz weiter auszubauen. In seinem Vortrag
griff er auch immer wieder mit teils etwas harten Formulierungen die amtlichen
Wetterdienste an.
Das ließ sich Dr. Gerhard Steinhorst vom DWD natürlich nicht
alles gefallen und wollte gleich zu Beginn seines Vortrages, der an den
von Kachelmann anknüpfte, seine Meinung dem Schweizer Medienexperten
ins Gesicht sagen. Doch dieser war gleich geschickt aus dem Hörsaal
verschwunden. So verpasste er Teile der Vorstellung des Warnsystem vom
Deutschen Wetterdienst. Der Leiter des Geschäftsbereichs Wettervorhersage
des Deutschen Wetterdienstes zeigte, dass der DWD bei Unwetterwarnungen
erst Vorwarnungen herausgebe und dann die Warnungen ab einem Tag vorher
konkretisiere und eine Unwetterwarnung verfasse. Diese werde dann an Medien,
Feuerwehren und Behörden weitergeben. Am Beispiel des Hochwassers
vom August 2005 zeigte er eine Chronik, wie, wer und wann gewarnt wurde.
Seiner Meinung nach ein sehr guter Warnablauf. Neben den Wetterwarnungen,
die der DWD alle im Internet veröffentlicht, gibt es auch das System
KONRAD, auf das aber nur geschulte Personen Zugriff haben, und FeWIS, was
einen schnellen und einfachen Überblick in den Leitzentralen der Feuerwehren
verschaffen soll.
Dann kam es zu dem großen Höhepunkt am Ende des Extremwetterkongresses:
Die Podiumsdiskussion zum Thema: „Warnen wir zu viel?“ mit den Teilnehmern
Dr. Gerhard Steinhorst vom DWD, Dr. Gunther Tiersch vom ZDF-Wetter, der
Moderator der Diskussion Peter Mücke von NDR Info, Marco Kaschuba
(Meteorologie- / Unwetterfachjournalist) und Jörg Kachelmann von Meteomedia.
Zu Beginn wurde vom Moderator Peter Mücke ein sehr amüsanter
Beitrag von NDR Info abgespielt, indem es um das ausgebliebene Schneechaos
am Ende des Jahres 2005 ging. (mehr dazu unter http://www.ndr-info.de/homepage/sendungen/aufeinwort/t_cid-2148884_.html
). Da im Vorwege des angeblichen Schneechaos viel gewarnt wurde und dann
fast nichts kam, sollte man sich überlegen, ob man nicht zu viel warne.
Zuerst ging es mit Fragen und Antworten reihum und jeder machte seinen
Standpunkt klar. Steinhorst vertrat die Meinung, dass sich die Wetterwarnungen
vom DWD in den letzten Jahren deutlich verbessert hätten. Weiterhin
solle der DWD nach dem „Single Voice“-Prinzip warnen und nicht durch die
Unwetterzentrale beispielsweise bei Warnungen „Konkurrenz“ bekommen. Tiersch
sah noch deutlich Handlungsbedarf bei der Übersichtlichkeit und der
Verbreitung der Warnungen. Beim ZDF sei es aufgrund der knappen Zeit nur
möglich Unwetterwarnungen für ganze Bundesländer über
den Fernsehbildschirm zu verbreiten. Aber ein Laufband während des
Programms sei durchaus denkbar, meint Tiersch. Wer jetzt die Warnungen
herausgibt, sei ihm aber ziemlich „wurscht“. Kaschuba hielt sich bei der
Runde sehr zurück, war aber der Ansicht, dass es ein Unwettervorhersagedienst
geben müsse, der näher an den Menschen und mehr mit den Menschen
arbeite. Durch die aktuelle Situation sei mehr Verwirrung als Sicherheit
unter den Menschen vorzufinden. Kachelmann war natürlich anderer Meinung
als der DWD: Seiner Meinung nach solle der bessere Unwetterwarndienst „gewinnen“.
Es sei nie gut, wenn es ein Monopol auf einem Gebiet gebe. Vorwürfe,
dass der DWD erst seit der Unwetterzentrale deutlich an der Qualität
gearbeitet hätte, wies Steinhorst zurück. Immer wieder konnte
Kachelmann mit Argumenten und frechen Sprüchen punkten, die Steinhorst
teils mühsam widerlegten konnte. Ein Sieger gab es aber an dem Abend
nicht und auch keine allzu großen Beschimpfungen. Vielleicht kam
Kachelmann bei vielen besser davon, zumal aus dem Publikum mehr Stimmen
für Kachelmanns Unwetterzentrale zu hören waren. Es ist vielleicht
in einigen Punkten das bessere Konzept. Aber die Warnungen des DWD haben
sich auch deutlich verbessert und würden ebenfalls von mehr Behörden
und mehr Medienanstalten bezogen. Schließlich existiere eine staatliche
Organisation deutlich sicherer als ein Kachelmann, der nicht „ewig leben
kann“, fügte Steinhorst hinzu. Aber das bessere Konzept für die
Praxis sei die Unwetterzentrale, ließ ein Feuerwehrmann aus den Reihen
des Publikums verkünden. Kachelmann führte eine offensive und
Steinhorst eher eine defensive Diskussion. Nächstes Jahr wird sie
vielleicht fortgeführt. Dann könnte es auch zu einem singenden
Auftritt von Tiersch und Kachelmann kommen, wie es schon mal vor einiger
Zeit bei Marianne und Michael zu sehen waren. Kachelmann und der DWD werden
sich aber wahrscheinlich bis dahin immer noch nicht brüderlich vertragen
haben und an einem Strang ziehen. Mal sehen!
Also auch 2007 wird es einen Extremwetterkongress geben, der dann erneut
in Hamburg stattfinden wird, bevor es 2008 ins neue Klimahaus nach Bremerhaven
geht. Nutzen Sie die Chance und seien Sie dabei!
17. Februar 2006 – gleicher Ort, nur deutlich
müdere Gesichter. Der erste Abend des Extremwetterkongress war wohl
doch etwas länger als andere im Jahr. Die Meteorologen des DWD hatten
zu Beginn im Foyer nichts Neues an der Wetterlage zu verkünden. Mit
4 Grad war es etwas wärmer als am Vortag, dazu schien zu Beginn des
Kongress sogar etwas die Sonne von einem wolkigen Himmel, während
der Wind mit drei Beaufort aus Südwest wehte. Allgemein war die Wetterlage
an beiden Tagen aber wechselhaft mit immer wieder auftretendem Regen oder
Schauern; Sonnenschein war eher eine Seltenheit.