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"Kyrill" wütet über Deutschland
18.01.2007: Vor dem Orkantief "Kyrill" warnte der Deutschen Wetterdienst bereits am Dienstagabend deutschlandweit mit Vorwarnungen zur Unwetterwarnung. Am Mittwoch folgten dann die deutschlandweiten Unwetterwarnungen. Auch die Konkurrenz von Kachelmann, die Unwetterzentrale, warnte mit deutschlandweiten Rottönen und regionalem violett, was der höchsten Sturmstufe von über 130 km/h entspricht, vor dem zu erwartenden Orkan. Deutschland wurde also rechtzeitig drauf vorbereitet. Dennoch kam es während und nach dem Durchzug des Orkans zu einem mittelschweren Chaos in vielen Teilen Mitteleuropas.
  Von Großbritannien bis nach Estland sorgte "Kyrill" für deutliche Einschränkungen im öffentlichen Leben. Mindestens 34 Menschenleben forderte "Kyrill". Neben dem Schließen von Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen, kam es zu erheblichen Problemen im Energie- und Verkehrssektor. So waren zeitweise mehr als eine Million Menschen ohne Strom, Flüge wurden gestrichen, Fährverbindungen fielen aus und zahlreiche Straßen sowie Brücken wurden gesperrt. Fast deutschlandweit wurde der Bahnverkehr eingestellt, sodass zehntausende Reisende in Bahnhöfen festsaßen. Der Fernverkehr in Deutschland wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Deutschen Bahn aus Sicherheitsgründen komplett eingestellt und nur mühsam und allmählich wieder in Gang gesetzt.
  Am 15. Januar entstand das Tief bei Neufundland und zog dann mit rasanter Geschwindigkeit nach Osten auf Europa zu. Erst erreichte es Großbritannien, dann Frankreich und die Beneluxländer. Am 18. Januar und in der Nacht zum 19. Januar waren dann Deutschland und die Alpenländer dran, bevor "Kyrill" dann über die Ostsee ins Baltikum zog. Die schwere Sturmflut an der Nordsee trat glücklicherweise nicht ein, da das Sturmfeld früher und damit nicht zusammen mit der Flut und schneller über die Deutsche Bucht hinwegzog, sodass der Wasserstand nur 1,5 Meter über NN lag. Die höchste Windböe in Deutschland wurde mit 202 km/h auf dem Wendelstein in Bayern erreicht. Dicht gefolgt dahinter lag der Brocken mit 198 km/h. Das Außergewöhnliche an diesem Orkantief war das große Sturmfeld, das ein Einzugsbereich von ganz Deutschland hatte. Am schwersten betroffen waren die Berge, die Küstenbereiche, der Osten Deutschlands, die Kölner Bucht und der Südosten Bayerns. Auf Nordstrand wurden 148 km/h erreicht, in Düsseldorf konnte eine Böe von 144 km/h registriert werden. Orkanböen mit einer Stärke von 12 Beaufort (über 117 km/h) traten auch in Mühldorf und Chieming (Bayern) mit 137 km/h, in Stötten (Alb) mit 133 km/h und in Köln mit 130 km/h auf. Viele Regionen Deutschlands wurden von Böen bis 11 Beaufort (103 bis 117 km/h) heimgesucht. Einige wenige Regionen waren mit schweren Sturmböen bis 10 Beaufort (89 bis 102 km/h) nicht ganz so stark betroffen. So z.B. das Rhein-Main-Gebiet und die Region im Dreieck Bremen, Hamburg und Hannover. Am südlichen Oberrhein traten sogar nur Böen bis 9 Beaufort (75 bis 88 km/h) auf.
© Wiebke Plehn | Auf dem Grundstück der Wichernkirche in Neumünster wurde ein Baum von 'Kyrill' umgeweht.
Auf dem Grundstück der Wichernkirche in Neumünster wurde ein Baum von "Kyrill" umgeweht. Nicht überall lief es schadenfrei wie hier ab. Das Auto wurde nur um wenige Zentimeter verfehlt.

  In Schleswig-Holstein wurden in südlichen Landesteilen nicht ganz so hohe Windwerte wie in Richtung Dänemark erreicht. Am Kieler Leuchtturm war eine Böe von 140 km/h dabei, in Olpenitz und List auf Sylt wurden 130 km/h erreicht. St. Peter-Ording meldete 126 km/h, Jagel 112 km/h, Hohn und Heide 108 km/h, Quickborn und Neustadt in Holstein 97 km/h und Hamburg-Fuhlsbüttel 90 km/h als Spitzenböe. Bei den privaten Wetterstationen lag Brügge mit 106,2 km/h vor Tolk mit 105,2 km/h und Esperstoft mit 102,0 km/h. Bad Oldesloe meldete 93,7 km/h und Neumünster 93,3 km/h. Die höchsten Böen traten auf, nachdem die Kaltfront schon längst durchgezogen war und sich dahinter dann Schauerstaffeln formierten. In Zusammenhang mit diesen Schauern traten dann die höchsten Böen auf.

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